Die Smartphone App der High-Tec Observierer, die mich auf meinem Weg durch die Stadt Zürich begleiten

Last Updated on November 26, 2025 by pg@petergamma.org

Ich leide wirklich darunter, wenn ich in den Puls 5 Fitnesspark zum Duschen gehen, dass geschätzt bis zu 100 000 Personen meine Fahrt begleiten. Und alle haben eine misteriöse app, die ich sehr beunruhigend finde. Diese filmen Personen. Ist das zulässig? Jeder hat doch das Recht auf sein eigenes Bild. Oder sind sämtliche dieser verdeckten Observierer, die aber in ihrer Gesamtzahl sehr auffallen, Arbeitseinsatzteilnehmer mit einem Vertrag mit der Polizei?

Und dann sehe ich, dass einer von denen mein Gesicht filmt, wenn ich im Tram hinter ihm stehe. Ich werde mit der Front-Kamera gefilmt, und sehe mein Gesicht auf dem Bildschirm des Smartphone Filmemachers. Der Kleidung nach handelt es sich um ein Sozialhilfeempfänger der mich filmt, wie ich vermute. Und ich vermute auch, dass die meisten der 100 000 anderen Sozialhilfeempfänger sind, die meinen Weg kreuzen, wenn ich durch die Stadt Zürich gehe.

Dann haben sie noch Kamera Bilder, die mir vorkommen, als wären sie auf die Zimmer meiner Wohnung gerichtet. Die Fensterläden einer Wohnung am Berneggweg 8 in 8055 Zürich, wo ich wohne, sind seit ca. 10 Jahren geschlossen. Ausgelöst wurde das Verschliessen der Läden durch eine Kontaktaufnahme mit einer Postkarte von mir die ich einem Nachbarn in den Briefkasten warf.

Und ich stellte nun fest, dass wenn ich nachts das Licht in meiner Wohnung kurz hell stelle, dass dann der eine oder andere Laden für einen Tag aufgeht in der verschlossenen Wohnung und dann wieder zu.

Die 100 000 Personen schauen meistens weg, wenn ich sie anschaue. Aber ich fühle mich auf seltsame Weise beobachtet. Auch mein Therapeut scheint die Wunder app zu haben. Es scheint dort wichtige Informationen drauf zu haben. Zum Beispiel ob ich in meiner Wohnung Finken trage oder nicht.

Mein Therapeut begrüßte mich kürzlich in Socken, und fragte mich: stört sie das? Was ich verneine. Denn ich trage zu Hause manchmal auch nur Socken.

Kommt diese Information auf mysteriöse Weise aus der Wohnung unter mir zu meinem Therapeuten? Und verwendet dieser die Wunder App ebenfalls?

Oder stammt die Information, dass ich keine Finken und nur Socken trage in meiner Wohnung, von den Richtmikrofonen die im Estrich über meiner Wohnung montiert wurden, durch wen auch immer?

Mein Therapeut hat manchmal bei den Konsulationen ein Smartphone in der Hand, scrollt damit rum, stellt Fragen, und verhält sich manchmal auch ganz seltsam. Aber vielleicht versucht er mir auch nur einen Spiegel vor mein Gesicht zu setzen? Und ist ein Spiegel nicht ein sehr hilfreiches Ding? Und ich bin mit meinem Therapeuten im großen und ganzen zufrieden. Seltsames Verhalten meines Therapeuten verschwindet mehr und mehr. Und ist das nicht ein Zeichen dafür, dass die Therapie wirkt?

Ich sehne mich aber wirklich danach, wieder meine Privatsphäre zurück zu haben. Und es wäre wirklich schön, wenn es wieder einmal kommen wird, dass wenn ich an die Bushaltstelle gehe, dass dort nicht schon gegen 100 Sozialhilfeempfänger stehen, und ich in einen Bus steige, in dem schon 100 Sozialhilfeempfänger sitzen. Und ich leide unter der Wahnvorstellung, dass diese Sozialhilfeempfänger hinter meinem Rücken über mich chatten. Zum Beispiel darüber, ob ich in meiner Wohnung Finken trage oder nicht.

Wie sehne ich mich in meine Kindheit zurück. Da wohnte ich an einem heiligen Ort, in einem Schulhaus mit 30 Kinder. Und die Primarlehrerin, Ehrenbürgerin, und praktisch eine Heilige, da sie christliche Kinderbücher schrieb, sagte mir, sie freute sich immer darüber, wenn ich in der Wohnung über ihr Gitarre spiele. Aber sonst war es wenn die 30 Kinder nicht da waren absolut ruhig. Und man hörte nur vielleicht einmal in der Stunde den Zug durch das Reusstal fahren.

Und ich muss zugeben, dass ich auch am heutigen Tag unter Halluzinationen leide. Ich leide unter der Wahnvorstellung, dass ich in meine Kindheit zurückversetzt bin, und 100 000 Observierer in Rettungsboten die nahe Reuss herunterfahren. Und das ist auch einer meiner grössten Wünsche, dass diese Observierer auf wundersame Weise wieder das Reussthal oder das Limmatthal herunter verschwinden, in obskuren Rettungsboten oder Schwimmringen.

Aber dass ich an Halluzinationen und Wahnvorstellungen leide, damit kann ich gut leben. Denn hatte ich nicht immer gute Therapeuten, die mir dabei halfen, damit umzugehen? Und wie zuvor schon gefragt: Litt nicht auch der Heilige Milarepa an Wahnvorstellungen und Halluzinationen? Wurde ihm nicht nachgesagt, dass es mehr als 80 Menschen getötet hat durch schwarze Magie?

Nein. Für die Tibeter war Milarepa keiner der an Halluzinationen und Wahnvorstellungen litt. Sie sagen, ihn trifft die volle Schuld am Tod von mehr als 80 Menschen. Das machte ihn für die Tibeter zum Sünder. Und wie Milarepa vom Sünder zum Heiligen wurde, kann man in der Geschichte von Milarepa nachlesen. Das biographische Werk zum Leben von Milarepa ist eine der beliebtesten Geschichten des tibetischen Volkes.

Was würde aber mein Therapeut heute dazu sagen, wenn Milarepa ihm erzählen würde, er hätte mehr als 80 Menschen durch schwarze Magie getötet? Wahnvorstellungen und Halluzinationen hin und her. Milarepa bleibt einer meiner grössten Leitsterne. Milarepa, der als Mitbegründer der Kagyü-Schulen des tibetischen Buddhismus gilt, und auch als einer der grössten Dichter Tibets.

Milarepa lebte in einer Höhle:

und fand dort das Ende seines Leidens:

Und macht das Milarepa nicht auch 1 000 Jahre nach seinem Tod zu einem Meister für etwas was viele nicht können? Nämlich in einer Höhle leben, und dort das Einde des Leidens finden.